Clever essen

Gute Darmbakterien halten jung. Wer lange gesund leben will, sollte seine Darmflora pflegen. Denn die hilft, aktiv und widerstandsfähig zu bleiben - und ein jugendliches Aussehen zu bewahren.

Eigentlich ist jeder Mensch ein Ökosystem. Wie in einem Urwald wohnen viele verschiedene Arten in einem komplex verwobenen Ökosystem in uns: unsere Darmbakterien. Rund 160 Arten sind es bei einem gesunden Erwachsenen in Deutschland.Je vielfältiger die Zusammensetzung unserer kleinen Mitbewohner, desto jünger und fitter fühlen wir uns - und sehen auch so aus. Das zeigt beispielsweise eine Studie des irischen University College Cork. Die dort beobachteten älteren Menschen büßten an mikrobieller Vielfalt ein, wenn sie in ein Pflegeheim übersiedeln. Studienleiter Paul O'Tool führt dies auf die ballaststoffarme, eintönige Kost zurück: Pudding, Wurst, süße Säfte. Das Problem: Je weniger Bewohner die älteren Menschen in ihrem Darm hatten, desto schneller wurden sie gebrechlich. Sie litten unter mehr Entzündungen und anderen Erkrankungen. Im Vergleich

dazu hatten diejenigen, die im Alter noch zu Hause wohnten oder sich nur stundenweise in einer Tageseinrichtung aufhielten, eine ähnlich artenreiche Darmflora wie junge Menschen. Sie konnten Stress besser aushalten und regenerierten auch schneller, wenn sie erschöpft waren.

Dass die richtige Besiedlung die gesunde Lebensspanne verlängert, darauf weisen auch Studien mit Tieren hin.

Ob Mäuse, Würmer oder Fruchtfliegen - ihnen allen verabreichten Wissenschaftler sogenannte Indol-

Verbindungen, ein besonderer Leckerbissen für gute Darmbakterien. Indole stecken beispielsweise in Kohl und Brokkoli und erhöhen die Widerstandskraft. Für eine ordentliche lndol-Produktion in unserem Darm brauchen wir

vor allem tryptophanhaltige Lebensmittel wie Nüsse und Kerne und eine insgesamt pflanzenreiche Ernährung, aus der unsere Laktobakterien dann die lebensfördernden Verbindungen herstellen. Mit Ballaststoffen unterstützen wir auf ganz natürliche Weise das Wachstum dieser freundlichen Helfer. Schon wenige Stunden nach einer gesunden Mahlzeit verändert sich die Darm Flora positiv. Eine Stabilisierung erreicht man allerdings erst nach etwa einem halben Jahr - so lange müssen wir ballaststoffreich essen, bis unser Organismus die bessere Balance leicht halten kann.

Laktobakterien stimuIieren Botenstoffe, die die Abwehr unseres Körpers verbessern. Gleichzeitig helfen sie, defekte

Schleimhautzellen im Darm zu regenerieren. So wird der Alterungsprozess im Darm entschleunigt  - und das hat Effekte auf unseren ganzen Organismus.

Denn entzündliche Prozesse sind das, was uns am meisten altern lässt. Übrigens: Auch kurzkettige Fettsäuren wirken entzündungshemmend. Sie werden von drei speziellen Bakterienstämmen aus Ballaststoffen hergestellt: Ruminococcaceae, Lachnospiraceae und Bacetroidacae. Und genau diese guten Bakterien findet man in besonders hohen Konzentrationen bei

über Hundertjährigen.

Wer Antibiotika nehmen musste, sollte seine Darmflora gezielt wieder aufbauen, mit pre- und probiotischen Lebensmitteln. Anhaltender Stress und psychische Belastungen können das Darmmilieu nachhaltig belasten. Umgekehrt können aber beispielsweise Bifido-Bakterien die Stressresistenz stärken. Der schnellste Weg zu einer Störung der Darmflora oder auch Dysbiose ist übrigens eine zucker- und fettreiche Ernährung. Diese macht die Darmwand auch noch durchlässiger und damit an fälliger für Erkrankungen. Auch Pestizidrückstände aus gespritzten Lebensmitteln machen unseren guten Darmbewohnern zu schaffen.

Kaufen Sie deshalb Bio-Ware, wann immer Sie können. Eine US-Studie zeigt, dass die Pestizidbelastung innerhalb weniger Tage unter die Nachweisgrenze rutschen kann, wenn man sich statt mit konventioneller Ware nur noch mit Bio-Lebensmitteln ernährt.

Quelle: Mein Tag


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